Spaziergang im Grünen

 

Ich gehe gerne spazieren, denn in Bewegung gekommen, spucken meine Gehirnzellen pausenlos Ideen aus. Ich gehe auch mal durch Wohngebiete und erblicke immer wieder Vor-Gärten, die mit kantigen, harten, anthrazitfarbenen Steinen bedeckt sind - darunter noch ein dichtes Vlies, um aufkeimendes "Grün"

fern zu halten.

 

 

 

Bäumchen mit bunten Schleifchen ächzen verzweifelt unter dem Druck der Steine.

 

 

Ich kombiniere: der Vor-Garten ist doch der Empfangsbereich!

 

 

Mutter Erde ist zugeschüttet.

 

 

Und der Kontakt zum Himmel läuft nur noch über Flugzeuge und viele Satelliten, um Internet und Smartphone bedienen zu können.

 

 

Bodenlos - Seelenlos - kommt mir in den Sinn.

 

 

In meinen Gedanken träume ich mich rückwärtsspiralig in meine Kindheit.

 

 

Meine Große-Anne ging so oft wie möglich mit meinen Geschwistern und mir in die Natur, vorbei am Valznerweiher zur sogenannten „Russenwiese“. Wir mussten dorthin sehr weit laufen. Wenn wir wegen unserer müden Beine maulten, zeigte uns meine Groß-Anne Hustenblümchen, die wir als Tee kochen könnten, wenn uns ein Dauerhusten plagte.

 

 

Oder sie kaute uns ein Blatt Spitzwegerich vor, und zeigte, wie wir diesen grünen „Batz“ auf einen Insektenstich legen können, damit er nicht zu sehr anschwillt.

 

Damals gab es noch sehr viele Insekten, nicht nur von der angenehmsten Art.

 

 

Sie erzählte Märchen oder Erlebnissen aus ihrem eigenen Leben.

 

 

Angelangt auf der riesigen Wiese setzte ich mich gerne auf die moosweiche Umrandung des klaren Baches, der mit Vergissmeinnicht bewachsen war, belebt mit kleinen Fischen, Molchen und blau schimmernden Libellen mit ihren zarten Propellern.

 

 

Ab und zu gluckerte der Bach über ein paar größere Kieselsteine.

 

 

Unter meinem Gesäß spürte ich das feinstoffliche Energiefeld der Erde. Der Bach kühlte meine warmen Füße. Zarter Windhauch, erfüllt mit Blütenduft ...

 

 

Mit all meinen Sinnen träumte ich vor mich hin, sah die Farben der Blumen, Sträucher, Kiefern und gestaltenartigen Wolken.

 

Ich war angekommen in einer Welt, die meine war, fern von den trockenen Hausaufgaben.

 

Ich war glücklich, trotz des langen Weges oder gerade weil ich mir das Paradies durch eine mühsame Wanderung erobert habe?

 

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Wann haben Sie sich zuletzt auf dem Mutter-Boden niedergelassen?

 

Wann liefen Sie auf der grünen Wiese barfuß oder haben sich gewagt hinzulegen und in den blauen Kosmos zu träumen?

 

Wann haben Sie sich an eine uralte Buche gelehnt, um ihre Kraft zu spüren?

 

 

Ich komme mit meinen Gedanken zurück zu den anthrazitgrauen Steinen und meine Seele spürt: wir haben den Kontakt zur Mutter-Natur verloren.

 

Doch wir können diesen Kontakt wieder herstellen.